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Materialkosten im Spritzguss: Einflussfaktoren & Kostenlogik

Aktualisiert: 23. Dez. 2025

Definition

Die Materialkosten im Spritzguss sind die Kosten für den eingesetzten Kunststoff pro produziertes Bauteil. Sie ergeben sich aus dem Materialpreis (€/kg), dem Bauteilgewicht, dem Angussanteil, dem Ausschuss sowie materialabhängige Prozesseinflüsse. Diese wirken sich nicht direkt auf den Materialpreis aus, beeinflussen jedoch Zykluszeit, Schliesskraft und Ausschuss und damit die Gesamtkosten.



Kurzfassung

Materialkosten sind mehr als nur „Preis pro Kilogramm“. Sie beeinflussen direkt oder indirekt:

  • Teilekosten pro Stück

  • Zykluszeit

  • Maschinenwahl

  • Werkzeugauslegung

  • Ausschussquote


Eine falsche Materialentscheidung kann die Gesamtkosten deutlich erhöhen – selbst bei günstigem Kilopreis.



Warum Materialkosten oft falsch bewertet werden

In vielen Projekten wird Material so betrachtet:

„Material A kostet 2,50 €/kg, Material B 4,00 €/kg – also ist A günstiger.“

Diese Sicht ist zu kurz gegriffen, weil sie ignoriert:

  • Zykluszeitunterschiede

  • Ausschuss

  • notwendige Maschinenklasse

  • Werkzeugverschleiss

  • Qualitätsanforderungen


Der Kilopreis allein ist kein Kostenkriterium.


Für eine erste Gesamteinschätzung der Werkzeugkosten kannst du MoldCalc Free bereits vor der detaillierten Materialkalkulation nutzen.



Wie setzen sich Materialkosten pro Teil zusammen?

Vereinfacht: Materialkosten pro Teil =

(Bauteilgewicht + Angussgewicht + Ausschussanteil) × Materialpreis


Dabei gilt:

  • Anguss kann 10–50 % des Schussgewichts ausmachen

  • Ausschuss wirkt sich überproportional auf die Kosten aus

  • Mahlgut ist nicht immer vollständig einsetzbar


Einflussfaktoren auf die Materialkosten

1) Materialpreis (€/kg)

Der Materialpreis hängt ab von:

  • Polymerbasis (PP, ABS, PA, …)

  • Verstärkungen (GF, MF)

  • Additiven

  • Markt- und Rohstofflage

  • Lieferant & Abnahmemenge


Hochleistungskunststoffe sind deutlich teurer, aber oft technisch notwendig.


2) Bauteilgewicht

Das Bauteilgewicht wird bestimmt durch:

  • Volumen

  • Wandstärken

  • Dichte des Materials


Schon kleine Geometrieänderungen können:

  • mehrere Gramm pro Teil sparen

  • bei hohen Stückzahlen erhebliche Kosten reduzieren


3) Anguss & Verteilsystem

  • Kaltkanal → höherer Materialverbrauch

  • Heißkanal → geringerer Materialverlust, höhere Werkzeugkosten


Materialkosten und Werkzeugkosten müssen gemeinsam betrachtet werden.


4) Ausschuss

Ausschuss entsteht z. B. durch:

  • instabile Prozesse

  • falsche Materialwahl

  • hohe Schließkraftanforderungen

  • komplexe Kavitäten


5 % Ausschuss erhöhen die Materialkosten direkt um 5 % – oft sogar mehr.



Materialkosten vs. Zykluszeit

Material beeinflusst:

  • Abkühlverhalten

  • Nachdruckzeit

  • Gesamte Zykluszeit


Beispiel:

  • günstiges Material mit langer Kühlzeit

  • teureres Material mit kürzerem Zyklus


Das teurere Material kann gesamtwirtschaftlich günstiger sein.


🔗 Wie die Zykluszeit wirkt, erklären wir im Artikel Zykluszeit im Spritzguss.



Materialkosten & Schliesskraft

Material mit:

  • hoher Viskosität

  • hohem Verarbeitungsdruck


führt zu:

  • höherer Schliesskraft

  • größerer Maschine

  • höheren Maschinenkosten


🔗 Details dazu findest du im Artikel Schliesskraft im Spritzguss.



Materialkosten im Gesamtkontext der Spritzgusskosten

Materialkosten beeinflussen indirekt:

  • Teilekosten

  • Werkzeugkosten

  • Prozessstabilität

  • Skalierbarkeit


Deshalb sollte die Materialwahl immer vor der Teile- und Werkzeugkostenkalkulation erfolgen.


🔗 Warum diese Reihenfolge entscheidend ist, erklären wir im Artikel Spritzguss richtig kalkulieren.



Typische Fehler bei der Materialkosten-Bewertung

  • Fokus nur auf €/kg

  • Material zu spät festlegen

  • Sicherheitsaufschläge ohne Basis

  • Ausschuss ignorieren

  • Rezyklatpotenzial nicht bewerten


Diese Fehler führen häufig zu dauerhaft höheren Serienkosten.



Wie PolyProSolutions Materialkosten betrachtet

PolyProSolutions trennt bewusst:

  • Materialauswahl (anwendungsbasiert)

  • Kostenbewertung (transparent & vergleichbar)


Durch die Kombination von:

  • Materialeigenschaften

  • Bauteilgeometrie

  • Prozessparametern

lassen sich Materialkosten realistisch einordnen, ohne eigene Materialdatenbank oder Angebotsphase.



Fazit

Materialkosten im Spritzguss sind kein isolierter Wert, sondern Teil eines vernetzten Kostensystems.


Wer Material richtig bewertet:

  • senkt langfristige Teilekosten

  • verbessert Prozessstabilität

  • vermeidet unnötige Werkzeug- und Maschinenkosten

  • trifft früh bessere Entscheidungen



 
 
 

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