Materialkosten im Spritzguss: Einflussfaktoren & Kostenlogik
- PolyProSolutions

- 20. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Dez. 2025
Definition
Die Materialkosten im Spritzguss sind die Kosten für den eingesetzten Kunststoff pro produziertes Bauteil. Sie ergeben sich aus dem Materialpreis (€/kg), dem Bauteilgewicht, dem Angussanteil, dem Ausschuss sowie materialabhängige Prozesseinflüsse. Diese wirken sich nicht direkt auf den Materialpreis aus, beeinflussen jedoch Zykluszeit, Schliesskraft und Ausschuss und damit die Gesamtkosten.
Kurzfassung
Materialkosten sind mehr als nur „Preis pro Kilogramm“. Sie beeinflussen direkt oder indirekt:
Teilekosten pro Stück
Zykluszeit
Maschinenwahl
Werkzeugauslegung
Ausschussquote
Eine falsche Materialentscheidung kann die Gesamtkosten deutlich erhöhen – selbst bei günstigem Kilopreis.
Warum Materialkosten oft falsch bewertet werden
In vielen Projekten wird Material so betrachtet:
„Material A kostet 2,50 €/kg, Material B 4,00 €/kg – also ist A günstiger.“
Diese Sicht ist zu kurz gegriffen, weil sie ignoriert:
Zykluszeitunterschiede
Ausschuss
notwendige Maschinenklasse
Werkzeugverschleiss
Qualitätsanforderungen
Der Kilopreis allein ist kein Kostenkriterium.
Für eine erste Gesamteinschätzung der Werkzeugkosten kannst du MoldCalc Free bereits vor der detaillierten Materialkalkulation nutzen.
Wie setzen sich Materialkosten pro Teil zusammen?
Vereinfacht: Materialkosten pro Teil =
(Bauteilgewicht + Angussgewicht + Ausschussanteil) × Materialpreis
Dabei gilt:
Anguss kann 10–50 % des Schussgewichts ausmachen
Ausschuss wirkt sich überproportional auf die Kosten aus
Mahlgut ist nicht immer vollständig einsetzbar
Einflussfaktoren auf die Materialkosten
1) Materialpreis (€/kg)
Der Materialpreis hängt ab von:
Polymerbasis (PP, ABS, PA, …)
Verstärkungen (GF, MF)
Additiven
Markt- und Rohstofflage
Lieferant & Abnahmemenge
Hochleistungskunststoffe sind deutlich teurer, aber oft technisch notwendig.
2) Bauteilgewicht
Das Bauteilgewicht wird bestimmt durch:
Volumen
Wandstärken
Dichte des Materials
Schon kleine Geometrieänderungen können:
mehrere Gramm pro Teil sparen
bei hohen Stückzahlen erhebliche Kosten reduzieren
3) Anguss & Verteilsystem
Kaltkanal → höherer Materialverbrauch
Heißkanal → geringerer Materialverlust, höhere Werkzeugkosten
Materialkosten und Werkzeugkosten müssen gemeinsam betrachtet werden.
4) Ausschuss
Ausschuss entsteht z. B. durch:
instabile Prozesse
falsche Materialwahl
hohe Schließkraftanforderungen
komplexe Kavitäten
5 % Ausschuss erhöhen die Materialkosten direkt um 5 % – oft sogar mehr.
Materialkosten vs. Zykluszeit
Material beeinflusst:
Abkühlverhalten
Nachdruckzeit
Gesamte Zykluszeit
Beispiel:
günstiges Material mit langer Kühlzeit
teureres Material mit kürzerem Zyklus
Das teurere Material kann gesamtwirtschaftlich günstiger sein.
🔗 Wie die Zykluszeit wirkt, erklären wir im Artikel „Zykluszeit im Spritzguss“.
Materialkosten & Schliesskraft
Material mit:
hoher Viskosität
hohem Verarbeitungsdruck
führt zu:
höherer Schliesskraft
größerer Maschine
höheren Maschinenkosten
🔗 Details dazu findest du im Artikel „Schliesskraft im Spritzguss“.
Materialkosten im Gesamtkontext der Spritzgusskosten
Materialkosten beeinflussen indirekt:
Teilekosten
Werkzeugkosten
Prozessstabilität
Skalierbarkeit
Deshalb sollte die Materialwahl immer vor der Teile- und Werkzeugkostenkalkulation erfolgen.
🔗 Warum diese Reihenfolge entscheidend ist, erklären wir im Artikel „Spritzguss richtig kalkulieren“.
Typische Fehler bei der Materialkosten-Bewertung
Fokus nur auf €/kg
Material zu spät festlegen
Sicherheitsaufschläge ohne Basis
Ausschuss ignorieren
Rezyklatpotenzial nicht bewerten
Diese Fehler führen häufig zu dauerhaft höheren Serienkosten.
Wie PolyProSolutions Materialkosten betrachtet
PolyProSolutions trennt bewusst:
Materialauswahl (anwendungsbasiert)
Kostenbewertung (transparent & vergleichbar)
Durch die Kombination von:
Materialeigenschaften
Bauteilgeometrie
Prozessparametern
lassen sich Materialkosten realistisch einordnen, ohne eigene Materialdatenbank oder Angebotsphase.
Fazit
Materialkosten im Spritzguss sind kein isolierter Wert, sondern Teil eines vernetzten Kostensystems.
Wer Material richtig bewertet:
senkt langfristige Teilekosten
verbessert Prozessstabilität
vermeidet unnötige Werkzeug- und Maschinenkosten
trifft früh bessere Entscheidungen




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