Schliesskraft im Spritzguss: Berechnung & Kostenwirkung
- PolyProSolutions

- 2. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Dez. 2025
Definition
Die Schliesskraft im Spritzguss ist die Kraft, mit der die Spritzgiessmaschine das Werkzeug während des Einspritz- und Nachdruckprozesses geschlossen hält. Sie muss grösser sein als die durch den Forminnendruck auf die projizierte Fläche wirkende Kraft, um Werkzeugöffnung, Gratbildung und Qualitätsprobleme zu vermeiden.
Kurzfassung
Die Schliesskraft ist ein zentraler Auslegungsparameter im Spritzguss. Sie beeinflusst direkt:
die Auswahl der Spritzgiessmaschine
die Werkzeuggrösse
die Werkzeug- und Teilekosten
die Bauteilqualität
Eine falsch angenommene Schliesskraft führt entweder zu Qualitätsproblemen oder zu unnötig hohen Kosten.
Warum die Schliesskraft so wichtig ist
Während des Einspritzens wirkt ein hoher Druck auf die Schmelze. Dieser Druck erzeugt eine Kraft, die versucht, das Werkzeug zu öffnen (Auftriebskraft).
Die Schliesskraft muss diese Kraft vollständig aufnehmen.
Ist sie:
zu gering → Grat, Massabweichungen, Werkzeugverschleiss
zu hoch → unnötig große Maschine, höhere Stückkosten
Die richtige Schliesskraft ist daher ein Kompromiss zwischen Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
Wovon hängt die Schliesskraft ab?
Die Schliesskraft wird hauptsächlich bestimmt durch:
projizierte Fläche des Bauteils inkl. Anguss
Material (Viskosität, Verarbeitungsdruck)
Forminnendruck
Anzahl der Kavitäten
Nicht entscheidend sind:
Bauteilgewicht
Volumen
Oberflächenstruktur (direkt)
Berechnung der Schliesskraft (vereinfachte Formel)
Die gängige Faustformel lautet:
Schliesskraft ≈ projizierte Fläche × spezifischer Forminnendruck
Die tatsächliche erforderliche Schliesskraft hängt zusätzlich von Sicherheitsfaktoren, Werkzeugsteifigkeit und Prozessstabilität ab.
Materialgruppe | Richtwert |
PP, PE | 300 – 400 bar |
ABS, PS | 400 – 500 bar |
PA, PA-GF | 500 – 700 bar |
Je höher der erforderliche Druck, desto höher die notwendige Schliesskraft.
Zusammenhang: projizierte Fläche & Schliesskraft
Die projizierte Fläche ist der größte Einflussfaktor.
Beispiel:
projizierte Fläche: 250 cm²
Material: ABS (~450 bar)
→ hohe Schliesskraft erforderlich → größere Maschine notwendig
Mehr Kavitäten erhöhen die projizierte Fläche linear und damit auch die benötigte Schliesskraft.
🔗 Wie die projizierte Fläche korrekt bestimmt wird, erklären wir im Detail im Artikel zur projizierten Fläche im Spritzguss.
Auswirkungen auf Werkzeug- und Teilekosten
Werkzeugkosten
Eine höhere Schliesskraft führt häufig zu:
grösseren Werkzeugabmessungen
stabileren Werkzeugaufbauten
höheren Werkzeuggewichten
höheren Fertigungs- und Handlingkosten
Teilekosten
Die Schliesskraft beeinflusst:
die Maschinenklasse
den Maschinenstundensatz
die Wirtschaftlichkeit bei kleinen Stückzahlen
👉 Eine zu große Maschine erhöht die Stückkosten dauerhaft.
In MoldCalc Free wird die benötigte Schließkraft indirekt über projizierte Fläche, Material und Kavitäten berücksichtigt.
Typische Fehler aus der Praxis
Schliesskraft pauschal schätzen
Sicherheitsfaktoren zu hoch ansetzen
projizierte Fläche falsch bestimmen
Materialabhängigkeit ignorieren
Kavitätenanzahl zu spät berücksichtigen
Diese Fehler führen oft zu überdimensionierten Maschinen oder zu instabilen Prozessen.
Wie PolyProSolutions die Schliesskraft nutzt
Die Schliesskraft ist ein zentraler Parameter in:
MoldCalc Free – grobe Werkzeug- und Maschinenabschätzung
PartCalc Pro – Maschinenwahl und Teilekostenkalkulation
In Kombination mit projizierter Fläche, Material und Kavitätenanzahl entsteht eine realistische Entscheidungsgrundlage in der frühen Phase – auch ohne CAD-Daten.
Fazit
Die Schliesskraft ist kein Nebenparameter, sondern ein zentraler Kostentreiber im Spritzguss.
Wer sie korrekt berücksichtigt:
vermeidet Grat und Qualitätsprobleme
wählt die richtige Maschine
reduziert Werkzeug- und Teilekosten
trifft früh fundierte Entscheidungen




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