Wandstärke im Spritzguss: Einfluss auf Kosten, Qualität & Zykluszeit
- PolyProSolutions

- 20. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Dez. 2025
Definition
Die Wandstärke im Spritzguss ist die lokale Materialdicke eines Bauteils. Sie beeinflusst massgeblich Abkühlverhalten, Zykluszeit, Bauteilqualität, Ausschussrate sowie Werkzeug- und Teilekosten und zählt zu den wichtigsten geometrischen Designparametern.
Kurzfassung
Die Wandstärke ist einer der grössten Kostentreiber im Spritzguss. Zu dicke oder ungleichmässige Wandstärken führen zu:
längeren Zykluszeiten
höheren Teilekosten
Verzug, Einfallstellen und Lunkern
erhöhtem Ausschuss
Eine optimierte, möglichst gleichmäßige Wandstärke senkt Kosten dauerhaft.
Warum die Wandstärke so entscheidend ist
Im Spritzguss bestimmt die dickste Stelle des Bauteils die notwendige Kühlzeit. Da Kühlung oft 50–70 % der gesamten Zykluszeit ausmacht, hat die Wandstärke einen überproportionalen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit.
Jeder zusätzliche Zehntelmillimeter Wandstärke kostet Zeit – bei jedem Zyklus.
Typische Richtwerte für Wandstärken
(vereinfachte Orientierungswerte)
Materialgruppe | Empfohlene Wandstärke |
PP, PE | 1,0 – 3,0 mm |
ABS, PS | 1,2 – 3,5 mm |
PA, POM | 1,0 – 3,0 mm |
PA-GF | 1,5 – 4,0 mm |
Abweichungen sind möglich, erhöhen aber Risiko und Kosten.
Einfluss der Wandstärke auf die Zykluszeit
Die Kühlzeit steigt nicht linear, sondern überproportional mit der Wandstärke. Vereinfacht gilt:
Kühlzeit ∝ (Wandstärke)²
Diese Beziehung ist eine Näherung, verdeutlicht jedoch den überproportionalen Einfluss der Wandstärke auf die Zykluszeit.
Beispiel:
2,0 mm Wandstärke → Referenz
3,0 mm Wandstärke → ca. +125 % Kühlzeit
🔗 Warum die Zykluszeit so entscheidend ist, erklären wir im Artikel „Zykluszeit im Spritzguss“.
Wandstärke und Bauteilqualität
Ungünstige Wandstärken führen zu:
Einfallstellen (Sink Marks)
Lunker
Verzug
inneren Spannungen
Besonders kritisch sind:
plötzliche Wandstärkensprünge
massive Bereiche ohne Entlastung
schlecht platzierte Rippen
Parameter wie Wandstärke und Bauteilkomplexität fliessen in MoldCalc Free in die grobe Werkzeugkosten-Abschätzung ein.
Gleichmässige Wandstärken – warum sie so wichtig sind
Eine gleichmässige Wandstärke:
sorgt für gleichmässige Abkühlung
reduziert Spannungen
verbessert Masshaltigkeit
senkt Ausschuss
Rippen und Verstärkungen sind fast immer besser als massive Wandstärken.
Einfluss auf Werkzeug- und Maschinenkosten
Werkzeug
dicke Bereiche benötigen stärkere Kühlung
komplexere Werkzeugauslegung
höhere Werkzeugkosten
Maschine
längere Zykluszeiten
höhere Maschinenkosten pro Teil
🔗 Wie Schliesskraft und Maschinenwahl zusammenhängen, erklären wir im Artikel „Schliesskraft im Spritzguss“.
Typische Fehler bei der Wandstärkenauslegung
„Sicherheits-Wandstärken“
massive Bereiche statt Rippen
Wandstärkensprünge
Wandstärke ohne Materialbezug
späte Änderungen nach Werkzeugstart
Diese Fehler führen oft zu dauerhaft erhöhten Serienkosten.
Wie PolyProSolutions die Wandstärke berücksichtigt
Die Wandstärke fließt ein in:
PartCalc Pro – Berechnung von Zykluszeit & Teilekosten
MoldCalc Free – Abschätzung von Werkzeug- und Maschinenanforderungen
In Kombination mit Material, projizierter Fläche und Kavitätenanzahl ergibt sich eine realistische Kostenlogik – bereits in der frühen Phase.
Fazit
Die Wandstärke ist kein rein konstruktives Detail, sondern ein zentraler Kosten- und Qualitätshebel.
Wer sie bewusst auslegt:
verkürzt die Zykluszeit
senkt Teilekosten
reduziert Ausschuss
erhöht Prozesssicherheit




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