Zykluszeit im Spritzguss: Einflussfaktoren & Kostenwirkung
- PolyProSolutions

- 20. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Dez. 2025
Definition
Die Zykluszeit im Spritzguss ist die Zeit vom Beginn eines Spritzgiesszyklus bis zum Beginn des nächsten. Sie umfasst Einspritzen, Nachdruck, Kühlung, Werkzeugöffnen, Entformung und erneutes Schliessen.
Kurzfassung
Die Zykluszeit bestimmt, wie viele Teile pro Stunde produziert werden können. Schon kleine Änderungen (z. B. +1 Sekunde) wirken sich direkt auf:
Teilekosten
Maschinenkosten
Wirtschaftlichkeit der Serie
aus. Deshalb ist die Zykluszeit ein entscheidender Hebel bei der Kostenoptimierung.
Warum die Zykluszeit so wichtig ist
Die meisten laufenden Kosten im Spritzguss entstehen pro Zeiteinheit, nicht pro Teil:
Maschinenstundensatz
Energie
Personal
Gemeinkosten
Je länger der Zyklus, desto höher die Kosten pro Teil.
Beispiel (vereinfacht):
30 s Zyklus → 120 Teile/Stunde
35 s Zyklus → ~103 Teile/Stunde
➡ −14 % Ausstoß bei +5 Sekunden Zykluszeit
Woraus setzt sich die Zykluszeit zusammen?
Typisch besteht die Zykluszeit aus:
Einspritzen
Nachdruck
Kühlzeit
Werkzeug öffnen
Entformen
Werkzeug schließen
In der Praxis macht die Kühlzeit häufig 50–70 % der gesamten Zykluszeit aus.
Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Zykluszeit
1) Wandstärke des Bauteils
größter Einzelhebel
Kühlzeit steigt überproportional mit der Wandstärke
dicke Bereiche dominieren den gesamten Zyklus
Gleichmäßige, reduzierte Wandstärken sind der effektivste Hebel.
2) Material
Materialeigenschaften beeinflussen:
Abkühlverhalten
Verarbeitungstemperatur
Kristallisation (bei teilkristallinen Kunststoffen)
Beispiele:
PP, PE → kurze Zykluszeiten
PA, POM → längere Kühlzeiten
glasfaserverstärkte Materialien → oft höhere Zykluszeiten
Deshalb sollte das Material vor der Teilekostenkalkulation festgelegt werden.
3) Werkzeug & Kühlung
Kühlkanalführung
Abstand zur Kavität
Temperierung
Schlecht ausgelegte Kühlung:
verlängert die Zykluszeit dauerhaft
lässt sich später nur teuer korrigieren
4) Entformung
Hinterschnitte
Schieber
Entformungskräfte
Komplexe Entformung bedeutet:
längere Öffnungs- und Entformungszeiten
höhere Prozessanfälligkeit
Zusammenhang: Zykluszeit & Teilekosten
Die Teilekosten lassen sich vereinfacht so betrachten:
Teilekosten ∝ Maschinenstundensatz × Zykluszeit
Das bedeutet:
+10 % Zykluszeit → ca. +10 % Maschinenkosten pro Teil
Die Zykluszeit wirkt linear auf die Teilekosten.
🔗 Wie Maschinenwahl und Schliesskraft zusammenhängen, erklären wir im Artikel „Schliesskraft im Spritzguss“.
Zykluszeit, Kavitätenanzahl & Wirtschaftlichkeit
Mehr Kavitäten können:
den Ausstoss pro Zyklus erhöhen
die Teilekosten senken
Aber:
grössere Werkzeuge
höhere Schliesskraft
oft längere Kühlzeiten
Die Zykluszeit pro Schuss steigt häufig mit der Kavitätenanzahl.
🔗 Wie diese Abwägung funktioniert, erklären wir im Artikel „Kavitätenanzahl im Spritzguss“.
Typische Fehler bei der Zykluszeit-Abschätzung
unrealistisch kurze Zykluszeiten annehmen
nur Einspritzzeit betrachten
Kühlzeit unterschätzen
Materialeinfluss ignorieren
Serien- und Anfahrphase verwechseln
Diese Fehler führen oft zu zu optimistischen Teilekosten.
Wie PolyProSolutions die Zykluszeit berücksichtigt
Die Zykluszeit ist ein zentraler Parameter in:
PartCalc Pro – Berechnung realistischer Teilekosten
MoldCalc Free – Abschätzung von Maschinen- und Werkzeugauslegung
Durch Kombination von:
Material
Wandstärke
projizierter Fläche
Kavitätenanzahl
lassen sich realistische Kostenbereiche bereits früh abschätzen.
Fazit
Die Zykluszeit ist einer der wichtigsten Kostentreiber im Spritzguss – und einer der am häufigsten unterschätzten.
Wer sie richtig bewertet:
kalkuliert realistische Teilekosten
vermeidet zu optimistische Business Cases
erkennt Optimierungspotenziale früh
trifft bessere Entscheidungen
Auch wenn MoldCalc Free keine exakte Zykluszeit berechnet, helfen die Ergebnisse bei der frühen Bewertung der Werkzeugkosten im Kontext der Zykluszeit.




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