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Projizierte Fläche im Spritzguss: Definition, Berechnung und Kostenwirkung

Aktualisiert: 23. Dez. 2025

Definition

Die projizierte Fläche im Spritzguss ist die grösste 2D-Fläche eines Bauteils (inkl. Anguss), die senkrecht zur Schliessrichtung des Werkzeugs auf die Trennebene projiziert wird. Sie ist ein zentraler Parameter zur Berechnung der erforderlichen Schliesskraft und hat direkten Einfluss auf Werkzeuggrösse, Maschinenwahl und Kosten. Die projizierte Fläche ist unabhängig von der Bauteildicke und dem Bauteilvolumen.


Kurzfassung

Die projizierte Fläche wird im Spritzguss häufig unterschätzt oder falsch berechnet. Dabei beeinflusst sie massgeblich:

  • die benötigte Schliesskraft

  • die Auswahl der Spritzgiessmaschine

  • die Werkzeugkosten

  • die Wirtschaftlichkeit des Bauteils


Eine falsche Annahme der projizierten Fläche führt schnell zu falschen Kostenabschätzungen.


Warum die projizierte Fläche so wichtig ist

Im Spritzguss wirkt der Einspritzdruck auf die projizierte Fläche des Bauteils. Je grösser diese Fläche ist, desto höher ist die Kraft, mit der das Werkzeug geöffnet werden möchte.


Die Spritzgiessmaschine muss diese Kraft vollständig aufnehmen.

Ist die Schliesskraft zu gering:

  • öffnet sich das Werkzeug minimal

  • es entsteht Grat

  • Qualität und Werkzeug leiden


Ist sie zu hoch angesetzt:

  • wird eine unnötig grosse Maschine gewählt

  • die Teilekosten steigen


Was genau ist die projizierte Fläche?

Die projizierte Fläche ist nicht:

  • die Oberfläche des Bauteils

  • das Volumen

  • die sichtbare Fläche im CAD-Modell


Sondern:

Die grösste Silhouette des Bauteils, wenn man es in Schliessrichtung betrachtet.

Wichtig:

  • Hohlräume zählen nicht

  • Durchbrüche zählen nicht

  • Rippen erhöhen die projizierte Fläche nicht, wenn sie innerhalb der Kontur liegen

  • Anguss und Verteiler müssen berücksichtigt werden


2D- vs. 3D-Denkfehler (sehr häufig!)

Ein klassischer Fehler ist das Denken in 3D-Geometrien.


Beispiel:

  • Ein Bauteil ist hoch und schmal

  • In der Seitenansicht wirkt es groß

  • In Schliessrichtung ist es jedoch sehr klein


Entscheidend ist immer die Projektion auf die Trennebene.


Projizierte Fläche und Kavitäten

Bei Mehrkavitäten-Werkzeugen gilt:

projizierte Fläche gesamt = projizierte Fläche pro Teil × Anzahl Kavitäten


Das bedeutet:

  • 2 Kavitäten → doppelte projizierte Fläche

  • 4 Kavitäten → vierfache projizierte Fläche


Mehr Kavitäten erhöhen direkt:

  • Schliesskraft

  • Werkzeuggrösse

  • Maschinenkosten


Das ist einer der Gründe, warum „mehr Kavitäten“ nicht automatisch günstiger sind.


Zusammenhang: projizierte Fläche & Schliesskraft

Die vereinfachte Faustformel lautet:

Schliesskraft ≈ projizierte Fläche × spezifischer Forminnendruck


Typische Richtwerte für den spezifischen Druck:

Materialgruppe

Richtwert

PP, PE

300 – 400 bar

ABS, PS

400 – 500 bar

PA, PA-GF

500 – 700 bar

Das Material beeinflusst die Schliesskraft direkt.

Deshalb ist eine Materialwahl vor der Kostenkalkulation entscheidend.


Einfluss auf Werkzeug- und Teilekosten

Die projizierte Fläche wirkt sich aus auf:


Werkzeugkosten

  • grössere Werkzeugplatten

  • stärkere Führungssäulen

  • höhere Werkzeuggewichte

  • höhere Bearbeitungskosten


Teilekosten

  • grössere Maschinenklasse

  • höherer Maschinenstundensatz

  • oft längere Zykluszeiten


Eine falsch angenommene projizierte Fläche verfälscht beide Kostenseiten.


Mit MoldCalc Free kannst du die projizierte Fläche direkt in eine grobe Werkzeugkosten-Abschätzung einbeziehen.


Typische Fehler aus der Praxis

  • projizierte Fläche mit Bauteiloberfläche verwechseln

  • Anguss nicht berücksichtigen

  • Kavitätenanzahl zu spät einbeziehen

  • Materialabhängigkeit ignorieren

  • zu grobe Schätzungen ohne Sicherheitsfaktor


Wie PolyProSolutions die projizierte Fläche nutzt

Die projizierte Fläche ist ein zentrales Eingabefeld in:

  • MoldCalc Free – zur groben Werkzeugkosten- und Schliesskraftabschätzung

  • PartCalc Pro – zur Maschinenwahl und Teilekostenkalkulation


In Kombination mit Material und Kavitätenanzahl entsteht so eine realistische Kostenlogik, auch ohne CAD-Upload.


Fazit

Die projizierte Fläche ist ein zentraler Parameter, der immer im Kontext der gesamten Spritzguss-Kalkulation in der richtigen Reihenfolge betrachtet werden sollte.


Wer sie korrekt bestimmt:

  • wählt die richtige Maschine

  • vermeidet Gratprobleme

  • erhält realistischere Kostenabschätzungen

  • trifft früh bessere Entscheidungen

 
 
 

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