Projizierte Fläche im Spritzguss: Definition, Berechnung und Kostenwirkung
- PolyProSolutions

- 19. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Dez. 2025
Definition
Die projizierte Fläche im Spritzguss ist die grösste 2D-Fläche eines Bauteils (inkl. Anguss), die senkrecht zur Schliessrichtung des Werkzeugs auf die Trennebene projiziert wird. Sie ist ein zentraler Parameter zur Berechnung der erforderlichen Schliesskraft und hat direkten Einfluss auf Werkzeuggrösse, Maschinenwahl und Kosten. Die projizierte Fläche ist unabhängig von der Bauteildicke und dem Bauteilvolumen.
Kurzfassung
Die projizierte Fläche wird im Spritzguss häufig unterschätzt oder falsch berechnet. Dabei beeinflusst sie massgeblich:
die benötigte Schliesskraft
die Auswahl der Spritzgiessmaschine
die Werkzeugkosten
die Wirtschaftlichkeit des Bauteils
Eine falsche Annahme der projizierten Fläche führt schnell zu falschen Kostenabschätzungen.
Warum die projizierte Fläche so wichtig ist
Im Spritzguss wirkt der Einspritzdruck auf die projizierte Fläche des Bauteils. Je grösser diese Fläche ist, desto höher ist die Kraft, mit der das Werkzeug geöffnet werden möchte.
Die Spritzgiessmaschine muss diese Kraft vollständig aufnehmen.
Ist die Schliesskraft zu gering:
öffnet sich das Werkzeug minimal
es entsteht Grat
Qualität und Werkzeug leiden
Ist sie zu hoch angesetzt:
wird eine unnötig grosse Maschine gewählt
die Teilekosten steigen
Was genau ist die projizierte Fläche?
Die projizierte Fläche ist nicht:
die Oberfläche des Bauteils
das Volumen
die sichtbare Fläche im CAD-Modell
Sondern:
Die grösste Silhouette des Bauteils, wenn man es in Schliessrichtung betrachtet.
Wichtig:
Hohlräume zählen nicht
Durchbrüche zählen nicht
Rippen erhöhen die projizierte Fläche nicht, wenn sie innerhalb der Kontur liegen
Anguss und Verteiler müssen berücksichtigt werden
2D- vs. 3D-Denkfehler (sehr häufig!)
Ein klassischer Fehler ist das Denken in 3D-Geometrien.
Beispiel:
Ein Bauteil ist hoch und schmal
In der Seitenansicht wirkt es groß
In Schliessrichtung ist es jedoch sehr klein
Entscheidend ist immer die Projektion auf die Trennebene.
Projizierte Fläche und Kavitäten
Bei Mehrkavitäten-Werkzeugen gilt:
projizierte Fläche gesamt = projizierte Fläche pro Teil × Anzahl Kavitäten
Das bedeutet:
2 Kavitäten → doppelte projizierte Fläche
4 Kavitäten → vierfache projizierte Fläche
Mehr Kavitäten erhöhen direkt:
Schliesskraft
Werkzeuggrösse
Maschinenkosten
Das ist einer der Gründe, warum „mehr Kavitäten“ nicht automatisch günstiger sind.
Zusammenhang: projizierte Fläche & Schliesskraft
Die vereinfachte Faustformel lautet:
Schliesskraft ≈ projizierte Fläche × spezifischer Forminnendruck
Typische Richtwerte für den spezifischen Druck:
Materialgruppe | Richtwert |
PP, PE | 300 – 400 bar |
ABS, PS | 400 – 500 bar |
PA, PA-GF | 500 – 700 bar |
Das Material beeinflusst die Schliesskraft direkt.
Deshalb ist eine Materialwahl vor der Kostenkalkulation entscheidend.
Einfluss auf Werkzeug- und Teilekosten
Die projizierte Fläche wirkt sich aus auf:
Werkzeugkosten
grössere Werkzeugplatten
stärkere Führungssäulen
höhere Werkzeuggewichte
höhere Bearbeitungskosten
Teilekosten
grössere Maschinenklasse
höherer Maschinenstundensatz
oft längere Zykluszeiten
Eine falsch angenommene projizierte Fläche verfälscht beide Kostenseiten.
Mit MoldCalc Free kannst du die projizierte Fläche direkt in eine grobe Werkzeugkosten-Abschätzung einbeziehen.
Typische Fehler aus der Praxis
projizierte Fläche mit Bauteiloberfläche verwechseln
Anguss nicht berücksichtigen
Kavitätenanzahl zu spät einbeziehen
Materialabhängigkeit ignorieren
zu grobe Schätzungen ohne Sicherheitsfaktor
Wie PolyProSolutions die projizierte Fläche nutzt
Die projizierte Fläche ist ein zentrales Eingabefeld in:
MoldCalc Free – zur groben Werkzeugkosten- und Schliesskraftabschätzung
PartCalc Pro – zur Maschinenwahl und Teilekostenkalkulation
In Kombination mit Material und Kavitätenanzahl entsteht so eine realistische Kostenlogik, auch ohne CAD-Upload.
Fazit
Die projizierte Fläche ist ein zentraler Parameter, der immer im Kontext der gesamten Spritzguss-Kalkulation in der richtigen Reihenfolge betrachtet werden sollte.
Wer sie korrekt bestimmt:
wählt die richtige Maschine
vermeidet Gratprobleme
erhält realistischere Kostenabschätzungen
trifft früh bessere Entscheidungen




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